Der zweite Teil von Davids Kanada Racetrips: das Singletrek 6 das Nachfolgeevent der Trans Rockies!
Nachdem Lutz und Dani im letzten jahr schon einen Vorgeschmack auf das neue Format nehmen durften, konnte David dieses Jahr an 5 Verschiedenen Lokations die besten Trails unter die Stollen nehmen. Und das nicht ganz schlecht! Hier ist sein kleines Renntagebuch. Für Fotos einfach unserer Facebookseite folgen.

ST6 – day1
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Drei Wochen nach dem BC Bikerace nehme ich nun die nächste Herausforderung unter die Stollen – das Singletrack6.
Nach der unüblichen und konfusen Registrierung und Briefing am Vortag am Flughafen in Calgary, ging’s direkt nach Brigg Creed ins Kananaskis Country, wo die erste Etappe des neuen Formats der Trans Rockies – das Singletrack 6 – startete. Mit 300 Teilnehmern aus 20 Nationen fällt es deutlich kleiner aus, als die alte Trans Rockies. Das Format lehnt sich an das BC Bikerace an und shuttelt die Teilnehmer täglich zu den besten Spots und, wie der Name schon sagt – Singletails der jeweiligen Region. Es ist also kein klassisches Stage-Race mehr, wo die Racer von einem Etappenort zum nächsten racen.
Somit fallen dem neuen Format nicht nur die Zeltstadt zum Opfer (alle müssen im Hotel nächtigen, nicht im Preis enthalten), sondern leider auch die Duschtrucks nach der Zieldurchfahrt. Schade.
Die erste Etappe startete um 9 Uhr und wartete mit 40 km und 1800 hm auf. Nach einem 6 km langen Schotterweg fing der Spaß dann an – auf einem schmalen Trail windete sich die Strecke smooth durch den Wald und um die dicht stehen Bäume. Oftmals war es so schmal, dass der Lenker gerade noch so nicht die Baumrinde abschürfte. Nach der Hälfte etwa sollte die erste von insgesamt vier Abfahrtswertungen während der sechs Etappen das technische Können der Teilnehmer herauskitzeln. Wer es drauf hatte nahm die Noth Shore Leitern und Sprünge unter die Stollen, für alle anderen gab es natürlich die Chickenway-Option. Danach wartete der mit 350hm längste Aufstieg des Tages, auf einem schön geshapten Trail versteht sich, bevor ein fünf Kilometer langer Trail bergab ins Ziel führte.
Bei mir lief es heute nicht so gut. Kurz vor dem ersten Checkpoint warf mich ein Plattfuß am Vorderrad aus der Verfolgergruppe um Platz 10 zurück. Mit müden Beinen kämpfte ich mich jedoch noch auf Rang 18 bei den Solo Herren zurück. Morgen gibt’s dann die Nächte Chance.
ST6 – day2
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Nach einem langen, zweistündigen Transfer von Canmore, wo gestern Abend die Siegerehrung und das gemeinsame Abendessen stattfand, zum heutigen Start im Nipika Ressort, fiel der Startschuss zur zweiten Etappe erwartungsgemäß spät. Ab 10.30 Uhr wurden die Teilnehmer schließlich in 10er Gruppen alle Minute auf den 38km Kurs geschickt. Schon nach dem Start ging’s direkt in den Wurzeltrail, der auch die ersten gut zehn Kilometer weiterführte. Überholen? Keine Chance! Der eher “Old School”-Cross Country Kurs mit giftigen Rampen von maximal 100-150hm am Stück sollte sich am Ende doch auf über 1100 hm summieren. Lediglich ein paar Waldlichtungen boten ein wenig Erholung fürs Fahrwerk. Nach ca. 23 km passierten die Rennfahrer das Ziel erneut und gingen auf eine weitere Schleife. Der Kurs glich sozusagen einer acht. Zwischendrin immer wieder sogenannte nasty-climbs, also extrem steile Rampen – z. T. unfahrbar. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite. Zeigte das Thermometer bei der Abfahrt zum Nipika Ressort noch lausige 5 Grad, stieg es während des Rennens auf über 30 Grad an und brachte so manchem schmerzhafte Krämpfe. Das Highlight des Tages waren die Trails am Flussufer. Teilweise führte der Trail weniger als einen Meter von der Klippe entfernt entlang, wo es mehrere Meter steil hinab ging. Der Ausblick auf den türkis-blauen Fluss war grandios. Doch: Fahrfehler werden hier definitiv nicht verziehen!
Ach ja: die Siegerzeit der Profis betrug übrigens 2:10h für 38km wohlgemerkt, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 19 km/h bedeutet. Das zeigt auch einmal die technische Schwierigkeit des Kurses auf. Zum Vergleich: deutsche Bike-Marathons werden meist mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von ca. 23-26 km/h gewonnen.
Im Ziel hatte jeder Teilnehmer dann die Gelegenheit die regionalen “Trailbauer” bzw. Bikeszene mit dem Kauf eines oder mehrerer schmackhaften und frisch gegrillten Burgern zu unterstützen. Das ist doch mal ein Deal, den jeder nach so einem anstrengenden Tag gerne eingeht. So is(s)t eben Kanada!
Mein Rennen verlief heute deutlich besser. Die Beine waren frisch und verhalfen mir die Etappe auf Rang 13 zu beenden. Gegen Ende musste ich nur der Hitze etwas Tribut zollen und Krämpfe verhinderten eine eventuell noch bessere Platzierung.
ST6 – day3
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Die heutige Etappe startete ca. 20 km von Radium Hot Springs am Lake Lillian. Sechs Startblöcke von je 50 Fahrern wurden ab 9 Uhr im Abstand von fünf Minuten auf die 46 km Schleife geschickt. Das Wetter war mit über 33 Grad sehr heiß. Der Kurs Unterschied sich deutlich von denen der ersten Etappen. Wurzeln oder grobe Steinpassagen – Fehlanzeige. Die Trails waren sehr schön geshapt und dementsprechend schnell. Heute konnte man es einfach laufen lassen. Die extreme Hitze – übrigens keine Seltenheit hier in der Region, anders als an der Westküste – machte die Trails staubtrocken und damit das Folgen eines Vordermanns zum Glücksspiel. Gut, dass der Veranstalter diesmal drei Checkpoints einrichtete, um die Biker vor Dehydrierung zu bewahren. Permanente Staubwolken forderten allerhöchste Konzentration, zumal es auch wieder mehr als einmal haarscharf an steilen Klippen entlang führte. Doch auch die Passagen durch hüfthohes dichtes Gras borg einige Adrenalin-Spitzen. So kam es mehr als einmal vor, dass hinter einer Kurve ein dicker, querliegender und “unsichtbarer” Baum katzenartige Reflexe und das technische Können forderte. Landschaftlich war die dritte Etappe natürlich auch wieder ein Hochgenuss! Schön (und) gefährlich, beschreibt es wohl am besten.
So schön das neue singletracklastige Format des Rennens auch ist, zeigt es doch auch schon einige weniger tolle Erkenntnisse auf: überholen ist quasi kaum möglich, was sehr viel Zeit kosten kann, wenn ein langsamerer Fahrer vor einem fährt, und die Landschaft wird auch nur vage wahrgenommen, da man dich permanent auf den Kurs konzentrieren muss. Toll ist allerdings die Mentalität der Biker, die schnellere Fahrer passieren lassen, sofern es der Kurs zu lässt.
Auch heute konnten die Biker im Ziel mit dem Kauf von Cheeseburger und Bier die ansässige Bike-Community unterstützen. Für die entsprechende Abkühlung sorgte allerdings auch der Lake Lillian unweit des Start-Ziel-Bereichs.
Mein Rennen verlief heute wieder relativ gut. Bis auf einen gelockerten Lenker zu Beginn und kurzen “Wegfindungsproblemen” kam ich “unverkrampft” durch und konnte heute sogar den ehemaligen MTB Cross Country Weltmeister und aktuell Gesamtführender der Kategorie Open Men 40+ Filip Meirhaeghe hinter mir lassen und als 12. finishen.

ST6 – day4
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Golden heißt die Gastgeberstadt von heute und morgen. Am heutigen ersten Tag begrüßte sie uns mit heißen Temperaturen und einer kurzen aber knackigen und technischen Cross Country Runde. Sehr verwinkelt und mit vielen gemeinen Rampen führte die Strecke dich den Wald. Bis auf die ersten und letzten 3 km (Schotterweg) wurde der Kurs dem Rennnamen gerecht. Heute mussten die Racer richtig “arbeiten”, um im Flow zu bleiben.
Mein Tag begann etwas nervenaufreibend: nachdem ich mir gestern im Rennen die hintere Felge verbeulte, hielt der Reifen trotz Pannenmilch nicht mehr so gut dicht und ich war gezwungen kurz vorm Start noch einen Schlauch einzuziehen. Auch im Rennen selbst lief es nicht immer flüssig. Und die Erkenntnis des Tages: Helmkameras sind “gefährlich”. Denn mehrmals verfing hier sich ein kleiner Ast, der den Helm mit mir nur widerwillig passieren lies und mich dabei fast vom Bike riss. Generell war das Gestrüpp meinem Rad heute nicht abgeneigt, was mich zum absteigen zwang um beide wieder voneinander zu trennen. Dennoch Rang 16 in meiner Kategorie Open Men.
So kurz, wie der heutige Tagesabschnitt (30km) fällt dann auch mein Bericht aus.
Übrigens: jeden Abend werden 48 (!) Fahrer geehrt.

ST6 – day5
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Golden Teil 2 war wieder einmal das komplette Gegenteil der Vortagesetappe. Statt technischen, engen Old School Trails gab es heute wieder mal was flowiges unter die Pneus. Saubere Trails mit Anliegern, kleinen Sprüngen und Doubles – wie ein endloser Pumptrack. Zwischen den Bäumen konnte man auch immer wieder einmal das tolle Panorama der Rocky Mountains erahnen. Denn viel bekommen (ambitionierte) Biker davon nicht zu sehen. Dafür Trails, Trails und noch mehr Trails. Doch ein landschaftliches Highlight gab es dann heute doch: vom höchsten Punkt führte die Strecke auf einem schnellen Pfad direkt an der Kante eines Canyon entlang, der den Ausblick auf die herrliche Landschaft und die mächtigen Rockies frei gab. Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Unachtsamkeiten enden bei diesem Teilstück definitiv tödlich.
Ohne Probleme oder sonstige Besonderheiten bin ich heute auf Platz 13 ins Ziel gefahren.

ST6 – day6
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Der letzte Tag des Singletrack6 sollte den Bikern in Revelstoke nochmal richtig einheizen. Vom Wetter her war das definitiv der Fall. Mit über 35 Grad schmolz am Start fast das Gummi auf den Felgen. Doch auch auch die Strecke bündelte noch einmal das beste aller vorherigen Tage und hatte alles parat, was ein ultimatives Bikerennen ausmacht: Wurzelteppiche, grobe Old School Trails und sahnige Flowtrails forderten die Rennfahrer genauso wie steile Rampen und rasante Abfahrten. Vor allem die heutige Descent-, also Abfahrtswertung hatte es noch einmal in sich. Auf sechs Kilometern war allerhöchste Konzentration gefordert, um die verwinkelten und technisch höchst anspruchsvolle Abfahrt unbeschadet zu meistern. Nach 47 km und etwa 1400 hm war dann die erste Austragung der neuen Generation der Trans Rockies – das Singletrack6 – zu Ende.
Als Resümee lässt sich festhalten: Das neue Format deutete sich bei den letzten Austragungen des Trans Rockies schon an, indem die Etappen stets kürzer wurden. Doch mit den Transfers zwischen den einzelnen Etappen der ersten Austragung des Singletrack6 zu den besten Bikelocations bzw. Trails wurde das Rennen noch einmal ein ganze Ebene höher gehoben. Jeden Tag warteten traumhafte Trails auf die Teilnehmer, die zugleich auch eine riesige Vielfalt boten – von Flowtrails über ruppige Old School Tracks bis hin zu tricky Wurzelpfaden war für jeden Biker was dabei. Doch mit dem neuen Format gehen auch Dinge wie die Zeltstadt und damit die familiäre Atmosphäre dieses Events verloren. Aber das Trail-Erlebnis dieser sechs Tage würden das locker wieder auf!!