Nachdem letztes Jahr Lutz und Dani Kanada gerockt haben ist dieses Jahr David an der Reihe. Er hat sich das ultimative Trailerlebnis BC-Bikerace herausgepickt und berichtet uns von der Westcoast Kandas, der Wiege des Trailridens. Nachdem er dann etwas Honeymoon machen wird, geht es weiter in die Rockys zur Singletrack6 dem nächsten Trailabenteuer!

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Davids Trailtagebuch:

Day0:

Die letzten Tage musste ich mich erst einmal an die Trails gewöhnen. Sie erfordern eine ganz andere Fahrweise als in Deutschland. Hier musst du immer locker auf dem Bike sitzen und es, trotz oder gerade wegen der vielen Wurzeln, laufen lassen. Ansonsten holpert man nur umher. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es die letzten beiden Tage geregnet hat. Ich bin ziemlich aufgeregt und gespannt, wie ich zurecht komme.
Heute am Tag 0 hieß es erstmal registrieren und alles wichtige und nötige Gepäck für die kommende Woche in der vom Veranstalter bereitgestellten Tasche zu verstauen. Zusätzlich gabs auch noch eine Joga-Matte – ja, auch das ist BC Bikerace. Denn nach den Stages wird zur Regeneration unter Anleitung einer Joga-Leiterin der Muskel-Sehnen-Apparat wieder geschmeidig gemacht. Da bin ich ja mal gespannt.
Neben dem Kidsrace auf dem Sandplatz – moderiert und animiert von der Freeride-Legende Brett Tippie, fand in der Turnhalle später dann das Fahrerbriefing an. Über 600 Teilnehmer aus knapp 20 Nationen lauschten gespannt der Vorstellung der allgemeinen Regeln und Verhaltensweisen sowie dem organisatorischen Ablauf. Dessen Highlight war schließlich der Rennarzt mit seiner humorvollen Art und Weise den Teilnehmern die 1. Hilfe Maßnahmen ins Gedächtnis zu rufen und wichtige Tipps u. a. zur Vermeidung von Dehydrierung zu geben.

Morgen (29.6.) geht’s nun endlich los. Um 8 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) fällt der Startschuss zum legendären BC Bikerace.

Mit den ersten Eindrücken vom Tag 0 sag ich gute Nacht und bis morgen.

Cheers,

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Day 1

heute ging’s scharf – Day 1, erste Etappe von North Vancouver zum Mt. Seymour und zurück zum Mt. Froome, wo dann die Enduro-Wertung via “Espresso” startete.

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Die erste Etappe startete um acht Uhr. 35 km und 1300 hm standen an. Optimistisch ordnete ich mich mal in den Startblock mit einer angepeilten Fahrzeit von 2-2,5h ein, dem ersten also. Ob das wohl gut geht?! Waren die ersten Tage doch noch von holprigem Fahrstil geprägt. Von smoothem Trailriding keine Spur. Doch heute war scheinbar der Jetlag überwunden und ich hatte so dermaßen Spaß, dass nur meine Ohren verhinderten, dass ich im Kreis grinste. Ich schlug mich scheinbar wacker, denn ich konnte am letzten Anstieg hinauf zum Mt. Froome noch den ehemaligen Weltklasse-Biker Andreas Hestler (heute immer noch unter den besten Finishern des BC Bikerace und Media-Chef des BCBR) überholen und vor ihm den Espresso genießen, dem letzten Trail und Endurowertung zugleich. Nach etwas über zwei Stunde überquerte ich dann die Ziellinie. Gute Selbsteinschätzung! :-)

Nach einer kanadischen “Regenerationsmahlzeit”(Burger) geht’s dann mit der Fähre auf Vancouver Island, wo morgen die zweite Etappe ansteht.

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Day2

nach einer anstrengenden Überführung vom Festland auf Vancouver Island. Mit 1,5h Fähr- und anschließend noch knapp zwei Stunden Busfahrt, war ich schließlich um 22.30 im Zelt.
Die Landschaft ist atemberaubend. Die Trails abartig gut – technisch, hart, aber auch flowig.

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Day2 startete und endete heute in Cumberland. Die Strecke hatte nur die Trails mit Tag 1 gemeinsam. Während gestern die Abfahrten länger waren und man sich dort auch etwas erholen konnte, musste man heute permanent am Gashahn drehen. Die Trails waren heute verwinkelt und natürlich auch wieder sehr wurzelig, gespickt mit netten Drops und Gegenanstiegen. Um nicht auf dem Sattel rumzuhüpfen, wie ein auf einem Pezziball, musste ich folglich immer ein schnell unterwegs sein. Nur so bekommt man hier den richtigen Flow. Den hatte ich scheinbar, denn im Ziel bekam ich dann von meinen Mitstreitern aus Kanada Anerkennung wie: “You ride like machine!” Yeah!! Da schwillt doch gleich die Brust und motiviert für die nächsten Tage.

Day 3

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Heute ist Kanada-Tag. Nein, nicht weil ich in Kanada bin, sondern der Feiertag der Kanadier „Canady-Day“! Überall hängen Nationalflaggen, haben die Menschen die Flagge auf der Wange und tragen Shirts mit dem Ahornblatt. Mit einer Stunde Verspätung (da es Probleme mit der Zeitnahme gab) startete heute die dritte Etappe in Powell River, direkt am Meer, wo gestern und heute auch die Zelte aufgeschlagen wurden. Herrlich, dieses Panorama – Meer und im Hintergrund Bäume und teilweise gepuderte Berge! Was will man mehr? Ich starte wieder aus dem ersten Startblock (gestartet wird jeweils zeitversetzt in Blöcken, um Staus auf den Trails zu vermeiden), da ich am ersten Tag schnell genug finishte. Somit erhielt ich einen roten Aufkleber auf die Startnummer, der mir die ganze restliche Woche den Zugang zum ersten Block ermöglicht. Doch starten mit den Pros ist alles andere als gemütliches Trailsurfen, geschweige denn chilliger Kanada-Aktivurlaub. Denn auch die Kanadischen Champs kennen nur ein Gas – Vollgas. Bis zum Einstieg in den ersten Trail des Tages hat sich dann das Feld auch schon etwas entzerrt und ich hab freie Bahn und kann den Trailspass genießen. Soweit das mit 180er Puls und krachsaueren Beinen geht. Die Aussicht hält sich bisher in Grenzen – ein schönes Panorama hab ich bisher leider nur von der Fähre bzw. heute Morgen nach dem Aufstehen am Strand gesehen. Der Grund ist simple: die geilsten Trails ziehen sich nun mal durch die Kanadischen Wälder! Und die haben es wirklich in sich. Traumhaft smooth bis heftig wurzelig zirkeln sich die schmalen Pfade auch heute wieder um die Bäume der märchenhaften Wälder, wo die Bäume mit Moos bewachsen sind und überall urtypische Farne empor ragen. Perfekte Twilight-Kulisse. Teile des Films wurden übrigens tatsächlich hier in den Wäldern gedreht. Das Highlight des Tages war schließlich wider erwarten die Endurowertung, als vielmehr der Aloha-Trail. Absolut clean und smooth geschapet, wie die geschmeidigen Aloha-Tanzbewegungen der Hawaianer (?), schlängelte sich der Trail (leider) bergauf. Passend dazu tanzen – wohlgemerkt mitten im Nirgendwo des Twilight-Waldes – Frauen im Aloha-Kostüm ihren Tanz. Begleitet von lautem, weltcuptauglichem Glockengeläut war der Trail dann aber auch schon wieder viel zu schnell vorbei. Doch das Ende eines Trails bedeutet hier nicht etwa, dass der auch tatsächlich zu Ende ist. Nur der Aloha-Flow ist gewichen und geht nun wieder eher in den Rock’n’Roll-Modus über, oder „Woodstock“, oder doch „Rocky“? Ach was – die Trails sind die Allstars, das Beste vom Besten!

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Day 4

Schon im Vorfeld wurde die vierte Etappe als die Härteste ausgelobt. Zwar war sie mit knapp 60 km der längste Teilabschnitt des BC Bikerace, aber technisch gesehen eher easy – zumindest scheinbar für Europäer. Denn der Großteil führte auf Fireroads, also Schotterwegen entlang. Das heutige Ziel ist die berühmte Sunshine Coast.

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Aber Kanadier sind eben doch anders, für die sind die Trails das, was für uns die Forstwege sind. Wie auch immer war  das Tempo heute sehr hoch. Erschwerend kam hinzu, dass der Start erst gegen Mittag bei über 30 Grad Celsius erfolgte. Grund war eine erneute Überführung mit der Fähre für die meisten Biker. Eine Minderheit der Teilnehmer – darunter auch ich – hatte das Vergnügen und einmalige Erlebnis mit dem Wasserflugzeug überzusetzen. Awesome, sagt der Kanadier. Ich sag einfach nur: Wahnsinn!! Der 15-minütige Flug ließ den Atem stocken. Diese Kulisse aus Meer, endlosen Wäldern und den mit Schnee bepuderten Bergen im Hintergrund wird sich für immer in meine Netzhaut gebrannt haben. Traumhaft! Als i-Tüpfelchen flogen wir auch noch direkt an einem Wasserfall vorbei. Leider vergingen die 15min wortwörtlich wie im Flug.

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Das Rennen heute bot im Vergleich zu den vorherigen Tagen wenig Spektakuläres. Die verhältnismäßig wenigen Trails führten meist bergauf und forderten dennoch wieder alles ab. Nach etwas mehr als drei Stunden war die Hitzeschlacht geschlagen. Morgen stehen soll es dann wieder “trailig” zur Sache gehen.

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Gestern Abend gab es das bisher leckerste Essen – Hähnchen und Fisch mit Ingwer-Soße und Grünkohl-Quinoa-Beilage. Einfach nur “awesome”.

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Gut gestärkt und mit vollen Speichern ging’s dann heute auf zur fünften Etappe mit 41 km und, laut Rroadbook, über 1300 hm. Diesmal standen dann auch wieder sehr viele Trails an. Die abfahren waren heute sehr geschmeidig zu fahren. Einfach laufen lasse, hieß also die Devise. Unterwegs stand zur Abwechslung auch mal wieder ein Sänger mit Gitarre und Mundharmonika am Trailrand und trällerte uns die Kurven hinauf. Einfach cool, die Kanadier!

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Das Ziel war schließlich der Fährhafen. Kaum die Ziellinie überquert, konnten bzw. mussten die Biker direkt in die Anhänger der Trucks fahren, in denen die Bikes transportiert werden. Schnell unter die Dusche und bereit machen für die Nächte Überfahrt mit der Fähre.  Nicht nur die Trails sind eine Challenge, nein, vielmehr das BC Bikerace im Ganzen fordert den Bikern so einiges ab. Next stop: Squamish!

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 Day6

Heute tun die Beine schon richtig weh! Dennoch: die Trails um Squamish rufen und wollen gerockt werden! Nachdem uns die letzten Tagen ordentlich die Sonne auf den Helm brutzelte, fuhren wir heute bei nahezu idealen Temperaturen um die 20 Grad. Doch bevor es abwärts geht, heißt es erstmal bergauf fahren 1800 hm sollte es heute sein – puh! Aber: wo es hoch geht, geht’s auch immer wieder hinab! Glücklicherweise waren es am Ende nur 1200 hm auf 50 km. Doch das genügte auch. Die Abfahrten waren heute meine persönlichen Favoriten der bisherigen Woche. Frisch geshapte, smooth angelegte Sahnetrails mit Anliegern, Kickern und Doubles – Rock’n'Roll Baby!! Ich fuhr mich komplett in Trance und musste aufpassen, dass ich nicht übermütig wurde.

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Auch die Uphills hatten flow, soweit es das beim Bergauffahren gibt. Denn in endlosen Serpentinen zog sich der Pfad etliche steile Höhenmeter hinauf. Die wenigen Fireroads dazwischen boten ein gewisses Maß an Erholung bevor es wieder spaßig wurde. Besonders “Rupert” hat es mir, und schätzungsweise 99% der anderen Biker auch, angetan. Nicht, dass das falsch verstanden wir: Rupert war DER (Flow-)Trail des Tages! Hier konnte man es super schön laufen lassen. Dass das BC Bikerace kein Zuckerschlecken ist, zeigen sich täglich bei der Zieldurchfahrt der Teilnehmer: blutverschmierte Beine und Arme sind noch eher harmlos. Gestern hat es einen Engländer brutal erwischt. Er hat sich den Unterarm bis auf den Knochen aufgeschlitzt und musste mit 10 Stichen genäht werden. Dennoch stand er heute wieder auf der Matte und finishte die sechste Etappe. Auch heute habe ich kurz vor Schluss einen Fahrer überholt, dessen Gesicht blutüberströmt war. All das ist auch BC Bikerace.

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Aktuell regnet es, doch das macht wohl keinem etwas aus. Denn morgen steht die siebte und letzte Etappe des ultimativen Singletrack Rennens auf diesem Planeten an. Lediglich 21 km und 800 hm trennen nun noch die Biker vor dem Ziel in Whistler und damit vor der coolsten und einzigartigsten Finisher-Trophähe im Pool aller Bikeraces: der BC Bikerace Gürtelschnalle!! Let’s go for it! Auf der Strecke gab’s heut übrigens Verpflegung für richtige Männer: mitten im Wald (wo auch sonst, hier überrascht mich gar nichts mehr) steht ein cooler Typ mit seinem Grill und brät Bacon für alle vorbei heizenden Biker. Lässig! Dennoch lehne ich bei Puls 180 danken ab. Verlockend war es aber allemal.

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5:30 Uhr – wakeup call! Regen. 14 Grad Celsius. Motivation: bis in die
Haarspitzen! Die letzte Etappe des BC Bikerace steht an. Doch zunächst
geht’s nach dem Frühstück mit dem Bus nach Whistler, wo die finalen 21
km und 800 hm anstehen. Natürlich der Großteil auf den legendären Trails
des bekannten Bikeparks der ehemaligen Winter-Olympiastadt von 2010. Der
Start erfolgte standesgemäß im Whistler Olympic Plaza.

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Die Beine wollen
zwar nicht mehr so recht „drehen“, doch der Geist ist willig. Und
Erfolg ist bekanntlich Kopfsache. Gleich zu Beginn geht’s den Skihang und
unzählige Serpentinen einer bestimmt sehr flowigen Abfahrt hinauf und auf
einer anderen Linie wieder hinab. Insgesamt war die heutige Etappe eher die
„Langweiligste“ und Unspektakulärste.

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Dennoch standen auch heute
wieder sehr viele Zuschauer an der Strecke und feuerten uns Biker lautstark
an. Nach weniger als eineinhalb Stunden war’s das dann. Das längste,
legendärste und härteste Singletrack-Trainingslager geht zu Ende und
belohnt alle Finisher im Ziel mit der begehrtesten Gürtelschnalle dieses
Planeten.

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Im Zielbereich fallen sich Konkurrenten wie Team-Kollegen in die
Arme, schreien ihre Erleichterung hinaus und sind einfach überglücklich
es geschafft zu haben. Heute Abend steht dann noch das Abschlussessen aller
Teilnehmer an. Und eine bestimmt grandiose Party, die sich alle – Biker
wie auch Helfer und Organisatoren – wirklich verdient haben. Nach sechs
Nächten im Zelt freue ich mich heute Abend dann natürlich auch auf ein
schönes weiches Bett. Es wird wohl noch einige Tage dauern, bis ich das
ganze Rennen wirklich verarbeitet habe und realisiere, dass ich das
krasseste Singletrack Bikerennen der Welt gerockt habe.

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Insgesamt kann ich das Rennen nur weiterempfehlen – vorausgesetzt man ist
ein technisch sehr versierter Biker. Schotterstraßen-Cowboys sollten
lieber zu Hause bleiben. Denn das BC Bikerace bietet wirklich echte 85
Prozent harten Singletrack und war selbst für mich eine enorme
Herausforderung. Wer sich dieser allerdings stellt, bekommt ein top
organisiertes Rennen geboten, an dem es an nichts fehlt. Hier spürt man,
dass das Event von Bikern für Biker gemacht ist!
Schön war’s!

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Rock on und Cheers!
David